Siegel Tüv Siegel EHI

Tulpe

Die Tulpe (Tulipa) bildet eine Pflanzengattung aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae) mit etwa 150 Arten. Tulpen sind ausdauernde, krautige Pflanzen und erreichen je nach Art eine Wuchshöhe von 10 bis 70 Zentimetern.

Die Heimat der Tulpen erstreckt sich von Nordafrika, Europa bis Mittel- und Zentralasien, hauptsächlich der südöstliche Mittelmeerraum. Die Niederlande sind der weltweit größte Tulpenproduzent. Aus den Wildtulpen wurden unsere bekannten Gartentulpen gezüchtet. In den vergangenen 400 Jahren hat man so mehrere Tausend neuer Züchtungen hervorgebracht. Tulpen mögen Feuchtigkeit und im Sommer heiße trockene Lagen. Sie wachsen aber auch im Winter bei Kälte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde Holland zu einem Zentrum der Tulpen-Zucht. Es entstand eine Vielzahl von Sorten, darunter auch solche mit gefüllten Blüten und mit farbig geflammten Blüten. Dies wurde durch eine Viruserkrankung verursacht.     

Die Geschichte der Tulpe
Ursprünglich kommt die Tulpe aus Persien und der Türkei. Dort wächst die Lali, wie die Tulpe in der Türkei heißt, wild. Konstantinopel, das heutige Istanbul, wurde im 16. Jahrhundert als eine der schönsten Städte der Welt betrachtet. Sie war ein Zentrum von Handel, Verkehr, Kultur und politischer Intrigen und auch die prächtigen Gärten der Stadt ernteten viel Bewunderung.

Die Tulpe erobert Persien
Das "Tulpenjahrhundert" erreichte seinen Höhepunkt zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Jedes Frühjahr bei Vollmond gab Sultan Ahmed III in den Gärten des Palastes ein großartiges Tulpenfest. Es wurden hunderte Vasen mit den schönsten Tulpenblüten platziert. Der Sultan ließ hierzu scheinbar sogar Tulpen aus Holland importieren.
Es waren kristallene Zwiebeln mit bunten Flüssigstoffen. Das Ganze wurde märchenartig durch Kristalllampen beleuchtet. An den Zweigen der Bäume hingen Käfige mit Kanarienvögeln und Nachtigallen die um die Wette sangen. Die Gäste waren farblich passend zu den Blumen gekleidet. Diese außerordentlich kostbaren Feste wurden dem Sultan endgültig zum Verhängnis. Er wurde von unzufriedenen Verschwörern ermordet, die der Meinung waren, dass die Schatzkiste zu leer wurde.

Der Handel und die Kultur von Tulpen wurde in Persien streng geschützt. Es war verboten, außerhalb des Hofes mit Tulpen zu handeln. Wer dieses missachtete, wurde schwer bestraft. Alle Bestände und neue Varietäten wurden präzise beschrieben. In dem ältesten bekannten Tulpenbuch wurden bereits im Jahr 1588 Namen von Tulpen aufgeführt.

Die Tulpe erobert Europa
In Großbritanien traf die Tulpe 1578 ein und zwar, wie aus Quellen bekannt ist, aus Wien. Ungefähr 45 Jahre später beschreibt der bekannte Verfasser von Kräuterbüchern, John Parkinson, schon mehr als 150 Varietäten. Er teilt sie in drei Gruppen auf: Frühe, Mittelfrühe und Späte. Eine Einteilung, die noch heute gilt. Großbritannien spielt noch heute eine große Rolle beim Züchten und Administrieren neuer Sorten.
In Frankreich war die Tulpe während der Regierungszeit von Louis XIV, dem Sonnenkönig, die Hofblume. Die Hofdamen dekorierten gern ihre tief ausgeschnittenen Dekollettes mit einer Anzahl Tulpen. Ein Zeichen von purem Reichtum.
Rund um Berlin blühte im 19. Jahrhundert die Blumenzwiebelanzucht. Aber die sich immer mehr ausbreitende Stadt begrub die Gärten unter ihren Bauten.

Die Tulpe erobert Holland
Das Tulpenfieber erfasste den flämischen Diplomaten, Ogier de Busbecq, Gesandter der österreichischen Habsburger am Hof von Süleyman dem Großen. Er schrieb mit sehr viel Enthusiasmus über die Schönheit von Tulpen und schickte seinem niederländischen Freund, dem Gelehrten Carolus Clusius, einige Blumenzwiebeln. Clusius hatte gerade eine neue Stelle als Botaniker an der Universität von Leiden angetreten. Er war von seinen seltenen Zwiebeln sehr angetan. Die Überlieferung lässt uns glauben, dass er übertrieben hohe Preise für die Zwiebeln verlangte, sodass niemand sie kaufen wollte. Einige Herren mit Handelsgeist konnten dieses nicht verschmerzen. In einer dunklen Nacht schlichen sie in den Garten und nahmen die Zwiebeln mit. Clusius war darüber so verbittert, dass er das Züchten von Tulpen für eine Farce hielt. Die gestohlenen Zwiebeln sollten das Ausgangsmaterial für die Tulpenanzucht in Holland werden.

Tulpomanie
Tulpen wurden in großen Teilen von Europa in kurzer Zeit beliebt. Aber es waren vor allem die reichen Leute, die sich diese Blumen leisten konnten. Ein Garten bestand aus einer Sammlung von Kostbarkeiten und die Tulpe spielte darin eine teure Hauptrolle. Die Tulpe wurde immer teurer und 1634 kam es zu einem absoluten Höhepunkt. Der "Tulpenwahnsinn" hatte zugeschlagen. Der Handel mit Blumenzwiebeln war während der Tulpomanie ein wahres Spekulationsgeschäft.
Es wurde gekauft und verkauft ohne dass Geld oder Güter den Eigentümer wechselten. Alles wurde auf dem Papier abgewickelt. Hinzu kam noch, dass man niemals sicher war, was genau aus den Zwiebeln herauskam. Die Händler konnten nur darauf vertrauen, dass es eine schöne Tulpe wird. Wenn ein Händler eine Blumenzwiebel verkaufte, war es die große Frage, ob er sie jemals gesehen hatte. Es war auch die Frage, ob der Käufer in der Tat die abgesprochene Menge Geld oder Güter aufbringen konnte. Immer mehr Zwischenhändler wollten das Spiel mitspielen und vor allem daran verdienen. Die Nachfrage nach bestimmten Sorten wurde immer größer und dadurch stieg der Preis. In der Rangliste ganz oben stand die Semper Augustus. Diese brachte 5 Tausend Florin, ein Betrag von dem ein Grachtenhaus in Amsterdam gekauft werden konnte. Anstelle von Geld wurde auch häufig mit Gütern gehandelt. Für eine einzige Zwiebel der Tulpe Viceroi (halb so viel wert wie die Semper Augustus) wurde folgender Preis vereinbart:
2 Karrenladungen Weizen, 4 Karrenladungen Roggen, 4 fette Ochsen, 8 fette Ferkel, 12 fette Schafe, 2 Fässer Wein, 4 Fässer Bier, 1000 Pfund Käse, 1 Bett, 1 silberner Kelch und Kleidung.

Der Handel mit Tulpenzwiebeln fand meistens in den Hinterzimmern von Herbergen, in Tavernen und auf Essplätzen statt. Es war illegal, aber jeder wusste davon. Sogar Kinder wurden zum Spionieren eingesetzt.
Nach drei Jahren kam das Ende der Tulpomanie. Die Preise begannen stark zu sinken und viele Händler gingen bankrott, etwas wofür sie schwere Gefängnisstrafen bekommen konnten. Das Glück verging wie der Schnee in der Sonne und viele wurden erwerbslos. Im April 1637 griff die Obrigkeit ein und erklärte jede spekulative Vereinbarung als ungültig und stellte einen maximalen Preis von 50 Florin für eine Tulpenzwiebel fest.